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BLACK LIGHT DISTRICT BOYS - Klanggalerie 2003
more reviews soon: Orkus, The Gap ......... (I'm a slow typer!!!)


heathenharvest.com

Wipeout has blown my speakers and my mind with their latest release title "Black Light District Boys."  

Wipeout has blown my speakers and my mind with their latest release title "Black Light District Boys." Wipeout has proven once again that electronic music is not dead but still rather unexplored. On "Black Light District Boys" the full creativity and sheer musical genius of the band comes together for a stunning rhythmic electronic release.
Wipeout has left electronic dance music behind with all of its limitations and prescribed structures and has launched head long into a hybridization of styles that brings new life back into rhythmic electronic compositions. Wipeout has mastered the convergence of such diverse musical elements such as Trance, Industrial, Neo-Classical, Punk, avant-garde Rock and modern electronics into a thunderous mix that challenges all the limitations of electronic music.
The album is graced with a cohesive sense of composition and further enhanced by the vocal range of Didi Bruckmayr. With his fierce piercing and dense tattooing you would not expect to hear the high gentle voice that leads many of the songs. Didi mixes it up and expertly changes the feel and sound of the music by alternating between strong masculine vocals and more heart penetrating and romantic vocals. The band creates an amazing tapestry of sound that evolves and transform within each song. At times sweet, romantic and lulling and at other times infused with raw energy and industrial rhythms.
The real treat is the artist's ability to create music with such opposing instrumentation as electronic industrial rhythms, violins and cellos and the sweet serenading voice of Didi. The music with its symbiotic elements creates an engrossing experience raw with emotion, yet refined and beautiful.
Radial Faeries that love electronic music and especially music with some attitude that makes you think and moves your ass will not want to let this one go. Person who have an inkling for music that scratches the surface and touches on real emotions and real like experiences while retaining an edge will also find Wipeout extremely appealing. In one line repeated in the album Didi sings "You only want to *censored* me when your drunk!" Raw and real and raging hot is what Wipeout delivers. Faeries cued into more main stream music that are looking for something rhythmic, electronic and innovative and fresh would be well advised to experience Wipeout. Fans new to electronic music, dance music or any king of avant-garde music will find a great entry point with Wipeout. The music appeals to the mind, emotions and body as one. Join these boys in the Black Light District!

Wednesday, June 09 2004 @ 11:19 AM PST
Contributed by: Malahki Thorn /
http://www.heathenharvest.com/article.php?story=2004060911193891

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SKUG 05-2004

Wipeout
»Black Light District Boys«
Klanggalerie/Dark Vinyl/Ixthuluh (Vinyl: Trost)

Österreich, du Land der Selbstverhinderer! Warum, nur warum muss dieses bösblöde Schicksal immer die Besten treffen? Und warum sind diese zu einem Gutteil selbst schuld daran? Wipeout waren immer die Könige im Zwischenstuhlbereich, cyberdekadenter wie aufklärerisch psychotischer Industrial Dance Pop. Ihre Debüt-EP und der lediglich kränklich gemischte Klassiker »Swamps of Happiness« waren brightest new hope des alpinen Undergrounds, Jahre bevor Prodigy und Blechkonsorten elektroiden Riff-Rave salonfähig machten. Nachher galten sie als Imitatoren, machten selbst auf exaltiert verdrehte britische Synth-Wave, mit der glammenden Mutterfresse Didi Bruckmayr als intellektuell manischen Entglätter von Fadi Dorningers Popdickicht. Mit »Anthems for the Underachievers« kam vor zwei Jahren endlich wieder ein Masterpiece, das sich locker mit Geistesgenossen in Sachen Elektroklatsche vermessen hätte können. Mit Angelika Köhlermann hatte man die scheinbar richtige Labelrutsche. Und war ausnahmsweise zeitgerecht dran. Und was nun? Ein hirngewursteltes Schundmachwerk aus drei elendig neu überarbeiteten Gustostückerl der Frühphase. Und sieben gothende, stumpf pumpernde Deppentracks für die hinterletzte Zillo-Front der schwarzen Automasturbatoren. Ein Platte gewordenes, liebloses Ersatzteillager ohne Clou wohin es gehen will. Bruckmayr deliriert als saftlos gewordene Lalldiva, die inmitten der eigenen Texte einschlafen möchte, betäubt sich mit den immerfalschen Voice-Effekten. Gast Peter Androsch klampft drüber als wäre Kolonovits sein neuer Best Buddy. Und selbst der rettungslos umarmenswerte Regierungsfeindtext zu »Allianz der korrupten Streber« mutiert schnell zu morakonalem Deklamationsdreck. Doch zu alt geworden? Wir sitzen am Aschehaufen und warten geduldig...
Paul Poet / SKUG

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ZILLO 02/2004

WIPEOUT
"Black Light District Boys"

Aus Österreich kommt dieses einzigartige Musikprojekt. "Black Light District Boys" ist bereits das sechste Album des Trios, das sich 1992 aus einem aberwitzigen Freistil-Techno-Jam anlässlich einer wilden X-mass Party entwickelte.
seitdem begeistern Wipeout den Electro-Underground unseres Nachbarlandes. Ihre Musik ist eine furiose Mixtur aus Techno, Industrial, Electro, Ambient und Glampop, die immer radikal und psychedelisch daher kommt. "I've started to read - again" beginnt zum Beispiel mit vielen Bleeps und Discorhythmus, doch dann kommen Schweineorgel-Tupfer und Dub-elemente dazu. Und ehe man es sich versieht, ist man in einem brodelnden Hexenkessel aus archaiischer Rhythmik und Bowie-Glamour gefangen, der dann auch noch reichlich Aha-effekte hinsichtlich origineller Soundeinlagen zu bieten hat.
Düsterer und surrealer geht es in dem Stück "I'm so sorry" zu, das mit delirierenden Vocals, stolpernder Beats und merkwürdigen Industrialsounds aus der Ferne aufwartet, die sich in einer zähen Suppe zu bewegen scheinen.
Electrotech für Kiffer? Irgendwas in dieser richtung. Die Musik selber macht schon high. (www. klanggalerie.com)
Joe Asmodo

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OÖNachrichten - Chris Pichler

 Es geht um sehr viel Hormone
Mit dem Tonträger "Black Light District Boys" (Klanggalerie/Ixthuluh) feiert die Linzer Band "Wipeout" ihr 10-jähriges Bestehen. Didi Bruckmayr und Wolfgang Dorninger über Erfolg, Pop und Politik.

OÖN: Wipeout sind eine Linzer Band mit klaren Stahlstadt-Bezügen, zugleich international renommiert. Was, würde sich auch noch großer kommerzieller Erfolg einstellen?
Bruckmayr: Im Hitparadenkontext wird das sicher nicht passieren. Würden wir sehr viele Platten verkaufen, wäre das nur schön, weil uns das mehr Produktionsmittel in die Hände gibt. Von Karriereplänen haben sich Wipeout ohnehin bald verabschiedet. Wir mussten nie die Hosen runterlassen.

OÖN: Wipeout kamen bislang eher von der härteren Seite. Gleich die erste Nummer des neuen Albums, "My Simple Love", klingt sehr melancholisch. Hat die Band ihre romantische Ader entdeckt?
Dorninger: Ich will schon seit Jahren eine schöne Ballade schreiben, jetzt ist es wieder keine richtige geworden. Ich wollte für mich neue Gefühlswelten vertonen: Menschen greifen nach der Sonne, aber das Wasser schwappt ihnen über den Kopf. Durch den Text von Didi geht das Lied in eine ganz Es geht um sehr viel Hormone

Mit dem Tonträger "Black Light District Boys" (Klanggalerie/Ixthuluh) feiert die Linzer Band "Wipeout" ihr 10-jähriges Bestehen. Didi Bruckmayr und Wolfgang Dorninger über Erfolg, Pop und Politik.
 
OÖN: Wipeout sind eine Linzer Band mit klaren Stahlstadt-Bezügen, zugleich international renommiert. Was, würde sich auch noch großer kommerzieller Erfolg einstellen?
Bruckmayr: Im Hitparadenkontext wird das sicher nicht passieren. Würden wir sehr viele Platten verkaufen, wäre das nur schön, weil uns das mehr Produktionsmittel in die Hände gibt. Von Karriereplänen haben sich Wipeout ohnehin bald verabschiedet. Wir mussten nie die Hosen runterlassen.

OÖN: Wipeout kamen bislang eher von der härteren Seite. Gleich die erste Nummer des neuen Albums, "My Simple Love", klingt sehr melancholisch. Hat die Band ihre romantische Ader entdeckt?
Dorninger: Ich will schon seit Jahren eine schöne Ballade schreiben, jetzt ist es wieder keine richtige geworden. Ich wollte für mich neue Gefühlswelten vertonen: Menschen greifen nach der Sonne, aber das Wasser schwappt ihnen über den Kopf. Durch den Text von Didi geht das Lied in eine ganz andere Richtung.
Bruckmayr: Das war eine Spielerei, die Verdinglichung eines großen Gefühls. Ich übersetzte Sehnsucht in eine 3D-Matrix.

Das Balladenhafte hat es bei uns schon immer gegeben. Bei Wipeout geht es schließlich maßgeblich um nächtliche zwischenmenschliche Beziehungen, um seelische Zerrüttungen, Sehnsüchte und natürlich um sehr viel Hormone. Da begreife ich uns ganz als Popband, denn Pop hat ja sehr viel mit Sex und Gefühlen zu tun.
Dorninger: Leider gilt Pop in unseren Breiten als Mainstream. Umberto Eco hat in einem Aufsatz Pop ganz anders definiert: ein "Aufpoppen", ein Aufplatzen von kulturellen Codierungen. Pop war einmal Underground, jetzt hat er ein Mascherl bekommen.
Bruckmayr: Echter Pop hat etwas mit Hingabe, Hysterie und Unkontolliertheit zu tun, ohne dabei intellektuellenfeindlich zu sein. Mainstream dagegen ist berechenbar.

OÖN: Sind Wipeout eine politische Band?
Bruckmayr: Ja. Das zeigt alleine, dass wir nach künstlerischer und ökonomischer Unabhängigkeit streben. Wir verwenden Konzerte für politische Anliegen. Auf Platten war das bislang noch nicht so klar artikuliert. Jetzt war die Zeit reif dafür.

OÖN: Explizit auf der neuen CD mit "Der kleine König" und "Allianz der korrupten Streber".
Bruckmayr: Natürlich. Der "König" handelt von dieser sonderbaren Clique aus Ölmagnaten, Waffenhändlern und Politprofis, die jetzt die USA regiert. Der kleine Bush ist da nur der Platzhalter.

OÖN: Die "korrupten Streber" ortet ihr vermutlich in der Innenpolitik?
Bruckmayr: Ja, da gibt es dieselbe Tendenz. Politik ohne Geschichte, die nur dem Augenblick huldigt. Aus dieser Geschichtslosigkeit folgt, diese Politik hat auch keine Konsequenzen und dient nur den eigenen Interessen.

OÖNachrichten vom 12.12.2003

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KAPUZINE

Wipeout
Black Light District Boys
double 12" (trost records)

Dr. Evil trifft auf den kleinen König! Ja, sie haben's wieder mal geschafft ein Meisterwerk zu produzieren, dass einem das Blut in den Adern gefrieren läßt um dann zähflüssig in diverse Glieder gepumpt zu werden. Pochend, brodelnd und zischend kommt es dort dem Siedepunkt nahe.
Wipeout ist der Inbegriff für Industrial-Wucht, scheppernde Grooves und psychotischen Vokalsex. In schreinenden Visagenmix gehüllt präsentieren sie voluminöse Sounds im Doppelpack. Der Beat ist die grundlage. Das divenhafte Gurren, kreischende Wimmern und das pendelnde Urgrunzenzwischen dem eisernen Elektrodenfunk ist der Zuckerguss.
Bodyperformer und Extremcrooner Didi Bruckmayr, von Kopf bis Fuß in Stahlmuskulatur und eingestochener Tinte gekleidet, ist ja inzwischen österreichische Kultfigur in sich. Mit "Black Light District Boys" erreicht er bei seinen Gesangsdramaturgien wieder eine fast beängtigende Klasse. Weniger poppig als bei "Anthems for the inderachivers" zaubern die Soundakrobaten Fadi Dorninger, Didi Kern und Alex Jöchtl einen umwerfend brachialen Klangteppich der sich zwischendurch in prächtig vertrackte Beats verzweigen darf.
Auch nach 10 Jahren noch beeindruckend wie immer on stage, aber genial on vinyl!
kat_

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MONOCHROM 1-2004 (http://www.monochrom.at/cracked/reviews/reviews01.htm)
 

WIPEOUT

Black light district boys

CD/2LP, Trost


Today two old women rang my doorbell and when I opened they wanted to give me little brochures about the bible and talk to me about the word of god, because, as they said, “we live in terrible times”. I would have agreed, but I am sure that my reasons why the world today is a terrible place are in complete opposition to theirs, so I reclined. I told them, I had my vision of god the day before and that He told me everything was fine. Then I closed the door. Maybe I should have invited them in for a cup of tea and then turn on the title track of “Black light district Boys” or “Here comes the night” really loud. Either they would have run for their lives or started to dance ecstatically like witches at midsummer-night.

I have laboured hard to write something about Wipeout because they are so much way beyond my grasp. Then I realised, that the whole explanation might be right there in the first song: “my simple love”. This is what the singer explains: Theories and explorations build up textures and textures build up geometries, geometries of a simple love, eventually a matrix of a song. And the main point is the hope to create a window to the heart of the loved one (i.e. the listener?) so that the geometry and the matrix of the little and simple love is felt and vibrated along with by the heart. Then again, I am not sure. There are no simple answers with Wipeout, might they brag as much as they want that their love is “simple”. It sure isn’t. Some people easily fall for simple answers and even believe that they are true – such as thinking that the songs “Der kleine König “(the little king) and “Allianz der kaputten Streber” (alliance of the corrupt swots), by the way the only songs sung in German on this record – are about nothing else but the current political situation here in Austria. Actually, that is way to short and does not at all answer all the issues and metaphors pronounced in that song. There are no simple answers, as there is no simple love. If it is simple, then it is wrong.

For “Black light district boys” the three musicians behind Wipeout have not only dived into the most seedy parts of town, the streets where all the bad boys go to find a live that abides only to the rules made up by the streets, a complex and all-encompassing codex of does and don’ts that decide between life and death. They have also travelled back in time, producing an up-to-date version of EBM and electronic Industrial akin to what everybody has looked for at the end of the Eighties, but was left bled dry lying in the streets. Wet and black streets, of course. Fadi Dorninger and Dieter Kern have produced an impressive, pulsing and hammering basis of straight beats, noise and synthesizer-walls for Didi Bruckmayer to perform his vocals on. Nowadays, I don’t like the word “perform” anymore, because of all the star-search-idiots, who are always talking about “going out there and performing”, which doesn’t even mean singing and dancing, but rather nothing more than going through the motions that they have learned before. The word has really been abused and misused to death. But the way Bruckmayr sings, talks, screams and changes between modal tones of his voice can only be described with performing in the best sense of the word. While the music in the background hammers and rocks back and forth, sometimes harsh and driven by a demonic factory-pulse, at other times like a big swamp being flooded by a black, sludgy sea, Bruckmayr performs with an incredible intensity and theatralic (again, in the best sense of the word) range, from pathos to conspirative.

Maybe the Eighties haven’t left us, as much as I wish they finally would, and maybe the never will. I guess there is a lot of interesting music that was produced before 1989, when I started to really get interested in music, but all I usually get bombarded with is stupid New Wave that has been deformed into drunken party-music. Can I afford to get interested in Industrial and EBM more deeply nowadays? Actually, I would rather like to hear Wipeout play a version of “It’s my party and I cry if I want to”. Because Wipeout are one of the few bands / projects able to take up the heritage of what the Eighties really were (which is in short words: fucked up) and who might feel the urge to do so. Their flexibility and the mutations in sound and atmosphere they create from one record to the next are sometimes hard to follow and believe. “Black light district boys” is definitely their most openly darkest and “Industrial” record, whatever that means. From the disturbing artwork to the brooding vocals to the apocalyptic music, this one is actually heavier than most metal-records. From the more atmospheric and slower songs, to those with harsher and wilder pulses, this one is far better than most records.

http://www.fuckhead.at/wipeout

http://www.trost.at

01/2004

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Wipeout: Black Light District Boys

Helle Köpfe und Tatoos/ Von Bruno Jaschke (Wiener Zeitung 16.1.2004)

2003 war wohl kein Jahr für eine so genannte Jahrzehntplatte. Dafür gab es aber eine seltene Dichte an Longplayern, die taxfrei das Prädikat sehr gut verdienten. Dazu gehört, natürlich subjektiv betrachtet, auch ein Werk österreichischer Provenienz, nämlich Wipeouts "Black Light District Boys". Eigentlich sind Wipeout ein Zufallsprojekt, das Ende 1992 an einem Abend des Linzer Labels 7 Inch 12 einer spontanen Jam-Session entsprungen ist. Wolfgang "Fadi" Dorninger, Keyboarder und Elektroniker der Band, erinnert sich: "Ich hab mit Peter Androsch (Linzer Opernkomponist, aber auch hervorragender Pop-Gitarrist, Anm.) gespielt, dann kamen Big Dick Willy, das war aber auch keine richtige Band, die haben nur einen Song gehabt.

Und damit der Abend nicht ganz langweilig wird, habe ich Techno-12-Inches hintereinander aufgenommen und zum Mitjammen eingeladen. Am Anfang sind alle Leute auf der Bühne gestanden und haben zu den Beats dazugelärmt, dann sind Leute im 20-Sekunden-Takt weggebröckelt, am Ende sind die Herren Dorninger und Didi Neidhart übergeblieben. Dann sprang Didi Bruckmayr rauf und machte mit. Eine Woche später hatten wir schon den ersten Auftritt. Aber eineinhalb oder zwei Jahre haben wir überhaupt keine eigenen Nummern gemacht, sondern im Grunde genommen zu 12-Inches, die uns gefallen haben, dazugespielt! Irgendwann haben wir eigene Sachen aufgenommen und eine Maxi herausgebracht. Damit haben wir uns dann deklariert." Fadi Dorninger war vor und neben Wipeout Mitglied der avancierten Formationen Josef K. Noyce und Monochrome Bleu, die im Vergleich zu Wipeout eher herkömmliche Pop-Formate pflegen. Daneben macht er Musik fürs Theater und wunderbare Solo-Werke, bei denen er sich, beauftragt oder aus eigenem Antrieb, mit dem Tonband auf die Spuren vergangener oder lebender fremder Kulturen begibt. "Hisatsinom, über das Verschwinden" nimmt den (mit ca. 1350 datierten) Untergang der hochentwickelten Kultur der amerikanischen Ureinwohner im Four-Corners-Bereich (Utah, Colorado, Arizona, New Mexico) als Ausgangspunkt, das Verschwinden kultureller Codes zu erforschen, während die (20-minütige) Mini-CD "Fadi@vilnius.lt" Eindrücke und Aufnahmen aus Litauen zu einem Hörspiel mit sakralem Einschlag verarbeitet. Der Geschichte des kleinen Dorfs Asten bei Linz, das von der Industrialisierung und Beschleunigung der Zeit aus der Bahn geworfen wurde, hat er auf der gleichnamigen CD nachgespürt. Außerdem betreibt Dorninger ein eigenes Label, Base, auf dem neben den drei eben beschriebenen Projekten hauptsächlich Sampler mit elektronischer Musik erschienen sind, und ist generell einer der hellsten Köpfe unter den hiesigen Musikschaffenden, also eine Art (Vor-)Denker. Aber auch die anderen Wipeouts sind nicht "oben ohne": Didi Bruckmayr, Sänger und Texter, ist ehemaliger oberösterreichischer Landesmeister im Boxen und Doktor der Handelswissenschaften. Dr. Mag. Bruckmayr wurde bekannt als über und über tätowierter, muskulöser Frontman der schon fast legendären, permanent auf musikalische Ganzkörperattacken eingestellten Hardcore-Band Fuckhead, und aus deren Arbeitsbereich kommen auch Dieter Kern, der die Drums programmiert und seit 1999 anstelle des ausgestiegenen Gitarristen Didi Neidhart mitwirkt, sowie Sound-Engineer Alex Jöchtl.

Die buchstäblich ohne Plan ins Leben gerufene Partie erfreute sich von Anfang an recht regen Publikumsinteresses. Der erste Voll-Longplayer "Swamps Of Happiness" (1995) verkaufte geschätzte 5.000 Stück, der letzte "Anthems For The Underachievers" (2002) immerhin noch um die 2.500 - der Effekt war allerdings immer derselbe: Wegen Schwierigkeiten mit ihrem Label CCP sahen die Musiker für Plattenverkäufe kaum Geld. "Was uns im Rennen hält", erklärt Dorninger, "ist, dass wir gerne live spielen und das Publikum gerne zu unseren Konzerten kommt. Wir spielen lang, wir pumpen uns aus, das Publikum kriegt was geboten. Veranstalter wissen, dass sie mit Wipeout die Kosten einspielen können."
Wenn man Wipeout personell mit lässlich grober Vereinfachung als Fuckhead-Filiale sehen will, so wählten sie musikalisch ein signifikant anderes Koordinatensystem. Damit sorgten sie anfänglich für nicht wenig Verwirrung, denn wo die österreichische Underground-Szene hauptsächlich laute Gitarren, schnalzende Bässe und Sänger kannte, deren oberstes Ziel schien, Bob Mould/Grant Hart, Page Hamilton, Kurt Cobain oder Frank Black zu imitieren, war ihre Musik (großteils) elektronisch generiert. Was aus den Maschinen herauskam, war ein eklektizistischer Mischmasch, der vor Disco- und House-Zitaten nicht zurückschreckte, sich aber auch auf melodiösen Pop verstand und unvermittelt mit der großen Attacke auffahren konnte. Und Bruckmayrs Stimme fügte sich geschmeidig in jedes Anforderungsprofil. "Wipeout", erklärt Dorninger, "ist ein hybrides Gebilde. Bei gewissen Sachen können wir uns alle treffen. Pop á la Scott Walker, Bronski Beat und diese ganzen Elektronik-Duos, bis hin zu Throbbing Gristle und die Industrial-Ebene, aber auch Giorgio-Moroder-Disco. Das ist das Gebälk, auf dem wir uns bewegen, damit sind wir auch sozialisiert worden." Die solchermaßen deklarierten Eckpfeiler von Wipeout-Musik - Melodie, Rhythmus, Dissonanz - tragen nach wie vor den Sound; wie so häufig bei länger amtierenden Bands aber hat mit dem Lauf der Jahre erstere gegenüber den beiden anderen Determinanten an Terrain gewonnen. Das wird wohl auch der Trend für die Zukunft sein, denn die nächste Platte, verrät Dorninger, soll weniger Schwere, weniger Brutalismen und einen privateren Appeal haben; eine langgehegte Vision im Wipeout-Camp ist überhaupt eine ruhige Balladenplatte mit wenig Tempo, wo Spannung einzig in den Zwischentönen liegt. Dort ist "Black Light District Boys" (dessen Titel sich u. a. vor Coil und deren exzellentem, wahrhaft dunklen Werk "Black Light District" verbeugt) noch nicht ganz, wenngleich Ansätze dazu gleich im Opener "My Simple Love" deutlich hörbar sind und generell der Grundton etwas entspannter als noch bei "Anthems . . ." anmutet. "Es ist eine typische Sommerplatte. Nachdem letztes Jahr ein schöner heißer Sommer war, haben Didi und ich beschlossen, sich jeden Tag um zwei Uhr Nachmittags zu treffen und zu arbeiten, aber nie länger als vier Stunden. Die Platte ist also unter menschenwürdigen Bedingungen entstanden und gleichzeitig haben wir viel Zeit gefunden, über Dinge zu reden, vor allem politische Dinge." Als Resultat dieses Meinungsaustauschs entstanden, während man bei zwischenmenschlichen bzw. handfest körperlichen Themen wie dem Titelsong doch lieber auf dem "sicheren" Boden der englischen Sprache verweilt, auch zwei deutschsprachige Titel. Es sind nicht wirklich die ersten deutschsprachigen Wipeout-Inhalte, denn schon 2001 hat die Band für das Donaufestival Nestroy-Texte adaptiert ("Nestroy.SetNewParameters", in nicht mehr als 1.000 Stück Auflage von Extraplatte vertrieben, im Internet auszugsweise unter http://www.donaufestival.at/76_DEU_HTML.htm zu hören), aber es sind die ersten selbstgeschriebenen.

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Falter 43/03 - Sebastian Fasthuber

Wipeout: Black Light District Boys (Klanggalerie/Ixthuluh)
Zum zehnjährigen Jubiläum schlagen die Linzer-brachial-Popper die Disco-Tür zu und widmen sich sieben neue und drei neu aufgenommene Stücke lang der düsteren Seite der Nacht.
Wenn auf diesem Album - wie im nach deren "New York City Boy" benannten Titelstück - noch ein wenig die Pet Shop Boys durchschimmern, dann tun sie sich längst nicht mehr mit Amanda Lear am Champagner gütlich, sondern werden unfreiwillig in einen Gangbang verwickelt. Das macht in seienr Harschheit möglicherweise nicht so viel Spaß wie früher, verdient jedoch als konsequenter Schritt zurück und nicht zuletzt als - endgültiges? - Ende von Didi Bruckmayrs Flirt mit einem kleinen Popstar-Dasein Respekt.

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Augustin (Jänner 2004)

Ist eine Mischung ungleich einer Veredelung? Der "g´mischte Satz", im Wirtshaus der Schankwein, im Supermarkt gibt´s ihn im Tetrapack und im Allgemeinen ist sein Ruf nicht so besonders. Wie auch immer. Hier der Versuch einer Gegendarstellung: Durch das Panschen von B (Bruckmayr, Singrabiatler) mit D (Dorninger, Elektriker) und K (Kern, Rhythmiker) entsteht ein wahrlich edler Tropfen. Umgemünzt auf Schall & Ton eben Wipeout. Zu ihrer zehnjährigen Bestandsaufnahme laden die Herren B/D/K zur Verkostung in ihre Klanggalerie: 80er-Synthie, stählerne Beats, trendiger Techno samt elektronischen Störattacken, tollkühne Vokaltiraden und ein
wenig Gruselkabinett. "Black Light District Boys" ist keinesfalls nur so zum Drüberstreuen, wie das ewig wiederkehrende letzte Schlussachterl. Viel zu edel für den täglichen Genuss, viel zu sperrig für den Übermäßigen.
Vielmehr der "beste Tropfen" für gewisse Stunden. (LaMa)

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Profil (1. Dez. 2003)

Im Schwarzlichtbezirk
Auch wenn sich die Münder der Musiker am Cover dieser CD zu Schreien zu weiten scheinen: Das Album selbst, mit dem die österreichische Band Wipeout nebenbei auch ihr zenhjähriges Bestehen feiert, ist eher ein Akt der
Selbstkontrolle als einer der Entgrenzung. Die elektronisch produzierten Songs, denen eine gewisse unterdrückte Aggression zwar nicht abzusprechen ist, stützen sich auf Retro-Synthetik, auf dürre Beats und finstere
Stimmungen, die mit zeitgenössischem Techno und anderen Electro-Mode-Torheiten nicht allzu viel zu tun haben wollen. Der bisweilen an David Bowie angelehnte, an anderen Stellen auch leicht ins Opernhafte kippende Vortrag des faszinierenden  Vokalisten Didi Bruckmayr trägt die Kompositionen, die zwischen  kurzgeschlossenem Chanson und verkünsteltem NDW-Zitat changieren. Elektrobuben im Schwarzlichtbezirk: beeindruckende Leistung. (St. Gr.)

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Sonic Seducer (Dezember 2003)

Wer sich wie das Quartett Wipeout seit über zehn Jahren beständig im Umfeld von Größen wie Consolidated, Disharmonic Orchestra, Scorn oder Fetish 69 bewegt, dabei sechs Longplayer veröffentlicht und sich gleichzeitig noch mit diversen anderen Projekten beschäftigt, darf mit Recht von sich behaupten, zum untergrundischen Kern der elektronischen Musik der Neunziger zu gehören.
Von den Österreichern etwas anderes zu erwarten oder bei ihnen von etwas auszugehen, ist genauso sinn- und ergebnislos, wie einer süßen kleinen Miez zu erklären, was richtig oder falsch ist. Wipeout fabrizieren anarchisches Tüfteln, ohne zu prollen. Seltsam sind sie, ja, aber niemals anmaßend oder plump. Die zehn "Black Light District Boys"-Tracks sind keine leichte Kost; eingängig genug, um nicht ins Avantgardistische abzudriften, jedoch reichlich durchgeknallt und experimentell, vor allem beim Erkunden neuer Sounds; die vokalistischen  "Spiele ohne Grenzen" des Didi Bruckmayr (unter anderem Mastermind von Fuckhead) lassen beim ersten Verzehr zwar
sanfte Sorgenfältchen auf die zermarterte Stirn knittern, sind aber dermassen süchtig machend, dass man nicht umhin kann, sich den Wahnsinn (Songs wie  "Der kleine König", "Allianz der korrupten Streber", "Light Sleeper" überzeugen im Skurrilen, wohingegen das arg nach Sieben klingende "My Simple Love" und die schlussletztliche Club-Bombe "Soul-Destroying" dank der Geigeneinsätze schwer anmutig wirken) immer und immer wieder
einzuverleiben.
(8/10) Thomas Sander

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