{"id":327,"date":"2026-02-20T15:27:39","date_gmt":"2026-02-20T14:27:39","guid":{"rendered":"https:\/\/www.fuckhead.at\/?page_id=327"},"modified":"2026-02-21T20:13:08","modified_gmt":"2026-02-21T19:13:08","slug":"eat-the-rich","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.fuckhead.at\/index.php\/eat-the-rich\/","title":{"rendered":"Eat the rich"},"content":{"rendered":"\n<figure><iframe loading=\"lazy\" title=\"fuckhead quik Wuk\" width=\"760\" height=\"428\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/CCRvCPws-5U?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture\" allowfullscreen=\"\"><\/iframe><\/figure>\n\n\n\n<p>Es herrscht gro\u00dfe Unordnung unter dem Himmel! Wieder einmal steht der endg\u00fcltige Zusammenbruch unseres alleinigen, besten und geliebten Kapitalismus unmittelbar bevor. Die Ger\u00fcchte schwirren und mutieren wie schmutzige Viren. Waldbr\u00e4nde, Wirbelst\u00fcrme, Klimawandel, Pandemien, Trollfabriken, Konsumverzicht, Gemeinwohl, Umverteilung, Prekariat, Sklaverei, Depression, Plagiate, etcetera, etcetera. Alles doch nur Gedanken kranker Gehirne, denn tats\u00e4chlich werden wir immer leistungsf\u00e4higer, gl\u00fccklicher und reicher! Glaubt an die selbstreinigende Kraft der reflektierenden, automatisierten Finanzm\u00e4rkte! Auf den n\u00e4chsten Crash folgt immer die n\u00e4chste Rally! Die Renditen werden in den Himmel wachsen. Versprochen. Und wenn die Sonne immer hei\u00dfer auf unsere Golfpl\u00e4tze brennt und das Wasser f\u00fcr die Pools immer knapper wird, werden wir eben den Himmel privatisieren! Und in diesem, unserem Mega-Himmelreich werden wir endlose Feste feiern. Die Hofschranzen, Follower und Gaukler werden dienen bis in alle Ewigkeit.<\/p>\n\n\n\n<figure><iframe loading=\"lazy\" title=\"Teaser | F***head: EAT THE RICH\" src=\"https:\/\/player.vimeo.com\/video\/657828792?h=3a0fe27b4b&amp;dnt=1&amp;app_id=122963\" width=\"760\" height=\"428\" frameborder=\"0\" allow=\"autoplay; fullscreen; picture-in-picture\" allowfullscreen=\"\"><\/iframe><\/figure>\n\n\n\n<h5 class=\"wp-block-heading\">Der Durst nach Koh\u00e4renz<\/h5>\n\n\n\n<p><em>\u201cWenn man die Menschen glauben macht, zu den bestehenden sozio-\u00f6konomischen Verh\u00e4ltnissen und Klassenungleichheiten gebe es keine glaubw\u00fcrdige Alternative, dann ist es kein Wunder, dass alle Hoffnung auf Ver\u00e4nderung sich auf die Feier der Grenze und der Identit\u00e4t verlagert.\u201d<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Thomas Piketty, Kapital und Ideologie<\/p>\n\n\n\n<p>Tr\u00e4ume und R\u00e4usche sind faszinierende Episoden in unserer Alltagswahrnehmung. Die Schranken, die unser Bewusstsein dem Denken auferlegt, fallen. Ideen, Bilder und Kl\u00e4nge flie\u00dfen ohne zwingenden Zusammenhalt ineinander, erzeugen Verbindungen und Sinnzusammenh\u00e4nge, die es so eigentlich nicht geben d\u00fcrfte und schaffen eine Logik, die nur gesp\u00fcrt werden kann: der roten Faden ist sp\u00fcrbar, ohne ihn konkret erkl\u00e4ren zu k\u00f6nnen. In der Tradition der griechischen, dionysischen Satyrspiele, wollen Fuckhead mit ihrer Performance diesen ekstatischen Zustand von Traum und Rausch und Ausgelassenheit erzeugen, f\u00fcr einen fl\u00fcchtigen Augenblick der kurzfristigen verwirrten Erleuchtung, der aber doch einen Funken Freude, Inspiration und mentaler Energie hinterl\u00e4sst.<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist eine dicke Suppe, die hier f\u00fcr EAT THE RICH anger\u00fchrt wird. Das gesamte Rezept wird, wie es sich geh\u00f6rt, nicht verraten, aber hier ein Blick \u00fcber die wesentlichen Zutaten.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Eat the rich &#8211; The Ingredients:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>KYKLOPS \/ Der Zyklop <\/strong>\u2013 ist das einzige vollst\u00e4ndig erhaltene griechische Satyrspiel. Euripides dramatisiert das Aufeinandertreffen des menschenfressenden Zyklopen Polyphem mit dem Trickster Odysseus. Dieser Polyphem offenbart sich als Proto-Kapitalist und Materialist, dem nichts und niemand heilig ist au\u00dfer seinem Magen, der keine Regeln befolgt, au\u00dfer die Natur zu seinen Gunsten auszubeuten. Die Satyrn sind feige Denunzianten, Mitl\u00e4ufer, Wendeh\u00e4lse, immer auf ihren eigenen kurzsichtigen Vorteil bedacht und dabei jeder n\u00e4chstbesten Lichtfigur folgend. Und \u00fcber Odysseus reden wir lieber erst gar nicht.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u201cLe Maitre Fous\u201d <\/strong>ist eine 1955 gedrehter Ethno-Fiction von Jean Rouch. In der Dokumentation behandelt Rouch ein Ritual des Hauka Kultes in Ghana. Die am Ritual Teilnehmenden lassen D\u00e4monen von sich Besitz ergreifen (ein Adorzismus im Unterschied zum Exorzismus). Diese D\u00e4monen personifizieren \u00fcbernat\u00fcrliche Entit\u00e4ten der englischen Kolonialmacht: die Lokomotive, der General, der Lastwagenfahrer, die Prostituierte\u2026Die D\u00e4monen \u00fcbernehmen die Kontrolle \u00fcber den Besessenen wie ein Reiter die Kontrolle \u00fcber ein Pferd \u00fcbernimmt. Die Besessenen erlangen dadurch eine gewisse Macht: sie werden unempfindlich gegen Schmerzen und Feuer, sie k\u00f6nnen Tabus brechen, ohne daf\u00fcr die Konsequenzen zu tragen.<\/p>\n\n\n\n<p>In EAT THE RICH laden Fuckhead die D\u00e4monen des Kapitalismus in ihre K\u00f6rper ein: sie zu besitzen, zu reiten und irgendwann wieder zu verlassen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>R &gt; G<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Der \u201cReturn on Investment\u201d ist im Kapitalismus immer gr\u00f6sser als das Wachstum der Einkommen (Economic Growth), also eine stetige Verlagerung hin zur Seite der Investoren. Laut Thomas Piketty ist das eine dem Kapitalismus inh\u00e4rente Gesetzm\u00e4\u00dfigkeit( die sich aus den erhobenen Daten &#8211; vor allem Steuererkl\u00e4rungen &#8211; ableitet). Demnach sind wir auf der Skala der Ungleichheit wieder fast an demselben Punkt wie 1910 &#8211; bevor sich durch Wirtschaftskrise und Weltkriege das Kapital selbst ausgel\u00f6scht hatte. Die Zeit des Wiederaufbaus und des Wirtschaftswunders war eine historisch einzigartige Phase der Einkommensgleichheit, in der eine progressive Besteuerung von bis zu 90% der Einkommen f\u00fcr Umverteilung sorgte.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.fuckhead.at\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Capital-income-ratios-in-Germany-France-and-the-UK-1870-2010-Piketty-and-Zucman.ppm_.png\" alt=\"Capital-income-ratios-in-Germany-France-and-the-UK-1870-2010-Piketty-and-Zucman.ppm\"\/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>In \u201cKapital und Ideologie\u201d schl\u00e4gt Piketty unter anderem vor, individuelle Erbschaften abzuschaffen, und daf\u00fcr eine \u201cErbschaft f\u00fcr alle\u201d in Form einer Kapitalausstattung f\u00fcr Menschen mit 25 Jahren in H\u00f6he von 120.000 Euro einzuf\u00fchren:<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u201cDie Idee, es gebe strikt privates Eigentum und weiterhin Formen eines naturw\u00fcchsigen und unverbr\u00fcchlichen Anrechts bestimmter Personen auf bestimmte G\u00fc<\/em><em>ter, h<\/em><em>\u00e4lt keiner Analyse stand. Akkumulation von G\u00fctern ist stets Frucht eines sozialen Prozesses. Sie zehrt insbesondere von <\/em><em>\u00f6<\/em><em>ffentlichen Infrastrukturen (vor allem dem Rechts-, Steuer- und Bildungssystem), von sozialer Arbeitsteilung und von Erkenntnissen, die von der Menschheit in Jahrhunderten gesammelt wurden. Unter diesen Bedingungen ist es nur folgerichtig, wenn Personen, die gro\u00dfe Verm<\/em><em>\u00f6<\/em><em>gen akkumuliert haben, einen Teil derselben j\u00e4hrlich der Gemeinschaft zur\u00fcckgeben und Eigentum derart zu einem nicht mehr dauerhaften, sondern tempor\u00e4ren Eigentum wird. Das einzige Argument, das sich wirklich gegen diese Logik ins Feld f\u00fchren l\u00e4sst, ist im Grunde das der B\u00fcchse der Pandora. Private Eigentumsrechte infrage zu stellen, so lautet das Argument, f\u00fchre unweigerlich ins allgemeine Chaos, und daher tue man gut daran, diese B\u00fcchse niemals zu <\/em><em>\u00f6<\/em><em>ffnen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Thomas Piketty, Kapital und Ideologie<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Eat the Rich<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Diese Slogan und Kampfruf gegen soziale Ungerechtigkeit wird Jean-Jacques Rousseau zugeschrieben. \u201c<em>Wenn die Leute nichts mehr zu essen haben, werden sie die Reichen essen.\u201d<\/em> Allerdings hat ihn Rousseau nie schriftlich ge\u00e4u\u00dfert. Vielmehr werden ihm diese Worte vom franz\u00f6sischen Politiker und Historiker Adolphe Thiers in den Mund gelegt. Irgendwie tauchte der Satz dann in der Punk- und Gegenkultur der 1970 Jahre wieder auf. Es gab Kochb\u00fccher und \u201cEat the Rich\u201d T-shirts. (auf einem Foto tr\u00e4gt Patti Smith ein solches beim signieren von Platten). 1987 floppte der Film \u201cEat the Rich\u201d trotz der eing\u00e4ngigen Hookline des gleichnamigen Mot\u00f6rhead Songs:<\/p>\n\n\n\n<p><em>Come on baby, and eat the rich<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Come on baby, and eat the rich<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Come on honey, here&#8217;s your supper<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Come on baby, bite that sucker<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die Donut \u00d6konomie<\/strong> \u2013 In ihrem Bestseller geht Kate Raworth davon aus, dass die Wirtschaft sich in den Grenzen bewegen muss, die einen gr\u00f6\u00dftm\u00f6glichen Wohlstand bei geringst m\u00f6glichem Resourcenverbrauch erm\u00f6glichen. Das Bild des Donuts soll ein Kompass sein der uns bei der Orientierung hilft, wie wir unser \u00f6konomisches Handeln, innerhalb der planetaren und sozialen Begrenzungen gestalten. Demnach f\u00fchrt ein \u00dcberschreiten der Grenzen des Torus nach au\u00dfen hin zu einer Zerst\u00f6rung des Planeten als Lebensraum. Ein Unterschreiten der Grenzen nach innen f\u00fchrt zu einem Verlust der Grundlagen f\u00fcr ein w\u00fcrdiges Leben.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.fuckhead.at\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/800px-Doughnut_economic_model.jpg\" alt=\"800px-Doughnut_(economic_model)\"\/><\/figure>\n<\/div>\n\n<p><p><em>\u201cWenn alle Perspektiven und M<\/em><em>\u00f6<\/em><em>glichkeiten des Handelns (ja manchmal schon der Debatte) dadurch verbaut werden, dass man zum Beispiel erkl\u00e4rt, die Gesetzm\u00e4\u00dfigkeiten der Globalisierung und der Wirtschaft w\u00fcrden jede wirkliche Umverteilung f\u00fcr alle Zukunft ausschlie\u00dfen, dann ist es fast unvermeidlich, dass die politische Auseinandersetzung sich auf den letzten Handlungsspielraum konzentriert, den man dem Staat noch l\u00e4sst, n\u00e4mlich die Sicherung seiner Au\u00dfengrenzen\u2013und mitunter auch die Erfindung innerer Grenzen. Es darf, anders gesagt, nicht so getan werden, als seien die wachsenden identit\u00e4ren Spaltungen eine gewiss bedauerliche, aber letztlich unvermeidliche Konsequenz des Eintritts in eine postkoloniale Welt. Mir scheint, dass diese Entwicklung sich auch und vor allem als Konsequenz des Zusammenbruchs des Kommunismus und des Verlusts jeder Hoffnung auf eine grundlegende sozio-<\/em><em>\u00f6<\/em><em>konomische Ver\u00e4nderung begreifen l\u00e4sst. Nur wenn die Debatte \u00fcber Gerechtigkeit und das richtige Wirtschaftsmodell wieder er<\/em><em>\u00f6<\/em><em>ffnet wird, besteht Aussicht darauf, dass die Frage des Eigentums und der Ungleichheit wieder die Oberhand \u00fcber die Frage der Grenze und der Identit\u00e4t gewinnt. Wir kommen darauf zur\u00fcck.\u201d<\/em><\/p>\n<\/p>\n\n\n<p>Thomas Piketty, Kapital und Ideologie<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"726\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/www.fuckhead.at\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/plakat_web_eat-the-rich-_fh_wuk6-726x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-403\" srcset=\"https:\/\/www.fuckhead.at\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/plakat_web_eat-the-rich-_fh_wuk6-726x1024.jpg 726w, https:\/\/www.fuckhead.at\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/plakat_web_eat-the-rich-_fh_wuk6-213x300.jpg 213w, https:\/\/www.fuckhead.at\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/plakat_web_eat-the-rich-_fh_wuk6-768x1083.jpg 768w, https:\/\/www.fuckhead.at\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/plakat_web_eat-the-rich-_fh_wuk6-1089x1536.jpg 1089w, https:\/\/www.fuckhead.at\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/plakat_web_eat-the-rich-_fh_wuk6-1452x2048.jpg 1452w, https:\/\/www.fuckhead.at\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/plakat_web_eat-the-rich-_fh_wuk6-scaled.jpg 1816w\" sizes=\"auto, (max-width: 726px) 100vw, 726px\" \/><\/figure>\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es herrscht gro\u00dfe Unordnung unter dem Himmel! 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